Carl Constantin Weber

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A Blog Post

Projekt  Roda Wogn, Teil 2, Geburt der Puppen, die rote Wiege und glückliche Eltern

Ernst und Veronika bei der Kontaktaufnahme mit den Puppen im Potsdamer Atelier

Die Zeit im Atelier, zwischen Februar und September

Nach meiner Rückkehr aus Österreich, von der Tournee mit Ernst, Sibylle, Marlene und Maria, breitete ich daheim in meinem Atelier alle Zeichnungen um mich herum aus und begann die Köpfe der Bandmitglieder zu modellieren.

Mein Semester hatte Pause, ohne Unterricht und Vorlesungen war endlich Zeit für mein Atelier. Der vereinbarte Termin für das Layout der neuen Platte des Frauenorchester war noch weit weg, ich hätte keinen Druck gehabt so unmittelbar zu starten, aber mein Kopf war frisch gefüllt mit den Gesichtern der Band und dem besonderen Erlebnis, weshalb ich sofort ans Werk gehen wollte. 

Mir war beim Zeichnen der Musiker klar geworden, dass sich drei von den Charakteren würden leicht realisieren lassen, aber zwei von den Musikerinnen gaben mir Rätsel auf. Die Begegnung mit den Menschen und ihren Gesichtern waren natürlich ganz verschieden ausgefallen. Es gab ein Gesicht, dass von Anfang an wie die perfekte Puppe wirkte und eigentlich nur umgesetzt werden musste, ein anderes Gesicht schien mir so eindeutig zu sein, dass ich auch hier eine Lösung spürte. Es gab jedoch auch Gesichter, die mir selbst nach ca. 15 Zeichnungen immer noch nicht klar verständlich waren und sich mir verweigerten. Ich sah nicht wie daraus ein guter Puppenkopf entstehen sollte.

Ich startete mit den „leichteren“ Köpfen und modellierte sie mit Ton. Die ersten drei Köpfe begannen zwischen meinen Fingern lebendig zu werden. Im schwarzen Ton wirken solche kleine Portraits seriös und zeitlos. Die zwei schwierigen Köpfe schob ich vor mir her, ich hoffte, dass es beim Modellieren schon irgendwie passieren würde und begann mit ihnen zu Ringen. Bei einer der Musikerinnen  wurden mehrere Anläufe notwendig, doch nach ein paar Tagen begann auch sie lebendig zu werden. Erst viel später, als ich genug Abstand zu dem Puppenkopf hatte, wurde ich gewahr, dass sie so schlecht nicht geworden war.

Da die Köpfe aus Porzellan sein sollten lag nun ein langer Weg der handwerklichen Verwandlungen vor mir. Die Köpfe mussten in Gipsköpfe verwandelt, also abgegossen werden. Die Gipsköpfe müssen neu bearbeitet und so weit vereinfacht werden, dass sie später für Porzellan geeignet sind. Darauf folgt die Bemalung der Köpfe, was sie ein zweites Mal zum Leben erweckte und ihre Präsenz steigert.

Der größte Schritt – nämlich der persönlichste – war getan. Die Erstellung von brauchbaren Gussformen für das Porzellan stellt eine Herausforderung dar. Um Gießformen von Gipsköpfen unbeschadet wieder ablösen zu können ist einiges an vorbereitender Anstrengung und Wissen notwendig. Zum Glück gelangen die Formen und der Porzellanguss konnte beginnen. Man muss eine ganze Menge an Köpfen auf Vorrat gießen, denn die Brennprozesse erfordern ihre „Opfer“, so dass Ausschuss unvermeidlich ist.

Ca. 2 Monaten nach der kleinen Tournee hatte ich erste weisse Porzellanköpfe in der Hand. Die Bemalung des Porzellans konnte starten. Wenn man entspannt eine Bemalung auftragen möchte ist es ebenfalls gut einige Köpfe auf Vorrat zu besitzen. Farben entwickeln in der großen Hitze des Brandes (1200°) ihre eigene Dynamik und verändern sich erratisch manchmal rigoros. Jedes Ergebnis scheint ein Zufall.

Parallel hatte ich mir Gedanken für ein „Bühnensetting“ gemacht und für die Kostüme der Puppen Ideen notiert. Natürlich waren mir die Bekleidungsmuster der Frauen und von Ernst nicht verborgen geblieben. Andererseits hatte ich auch meine Interpretation des Songs „Hoch auf dem Rodn Wogn“ zu berücksichtigen und konnte die Puppen nicht nur als Abbilder der Bandmenschen gestalten. Kleidung musste genäht werden. Durch meine Erfahrungen, beeinflusst von dem Puppenprojekt davor, hatte ich ein paar erleichternde Tricks gelernt, die mir jetzt halfen die Kostüme schneller zu Entwerfen und zu Nähen.

Für die Puppen brauchte ich ein eigenes Theater in dem man die Puppen spielen, aber auch fotografieren konnte. Dieses Theater soll die Funktionalität einer kleinen Maschine erfüllen. Es soll die richtige Geschichte erzählen, aber gleichzeitig auch einige Features haben. Wie bei meinen ersten Puppenprojekt schwebte mir wieder eine Zentralbühne vor, in die die Puppenspieler von allen Seiten ihre Arme mit den Puppen hineinstecken können und sich gegenseitig dabei anschauen können sollten. Man kann das wie einen Inkubator vorstellen. Transparent und von allen Seiten mit geschützten Öffnungen versehen.

So vergingen weitere Monate der Beschäftigung neben meiner sonstigen Arbeit in der Hochschule und im Atelier. Kurz vor den Sommerferien hatte ich die Puppen inklusive ihrer Kostüme fertig. Nach den Ferien begann ich mit dem Theaterwagen für die Puppen. Dass es, im Dialog mit dem schrägen Text des Songs „Hoch aufn Rodn Wogn“, ein ländlicher Wagen werden sollte war mir klar. Ich recherchierte Bilder von abgeschlossen wirkenden ländlichen Welten und zeichnete verschiedene Kutschen. Im Kontrast zur urbanen Band schwebte mir eine kleine beengte ländliche Atmosphäre vor. Die Kostüme der Puppen waren mit ihren vorherrschenden Latzhosen aus Jeans im Mittelstaaten-Style entstanden, der Wagen sollte dazu passen. Er musste sich in eine Bühne verwandeln lassen, rollen und gleichzeitig von allen Seiten durchblickt werden können. Ich besorgte Holz, bemalte dieses und zeichnete Handskizzen vom Wagen, damit am Computer von mir ein Bauplan für den CAD-Laser konstruiert werden konnte.

Irgendwann Mitte September war ich mit dem gesamten Projekt so gut wie fertig. Zwischendurch hatte sich der Zeitplan ordentlich nach vorne geschoben, denn in Wien, bei Molden-Media plante man, aufgrund der Pandemie , das Platten-Release vorzuziehen. Veronika rief mich im Auftrag von Ernst an und verkündete, dass sich die Band nun zum Aufnehmen der Platte zurückziehen würde und ich bitte bis September etwas vorzeigbares bräuchte. Natürlich gelang es Veronika elegant und mit Charme die Botschaft zu platzieren. Diese Verkürzung hätte mit meinen übrigen Verpflichtungen kollidiert können. Zum Glück hatte ich das Projekt zeitig nebenbei angefangen und so lag ich im neuen Plan, wenn ich nicht locker ließ.

Kontaktbeschränkungen, Reiseverbot und die ganze träge Coronasituation verzögerten die Übergabe des geschaffenen Projektes an die Band leider dann bis Januar.

Ernst und seine Frau Veronika, die das gesamte Projekt aus dem off steuerte, kamen mit dem Wagen nach Potsdam, um das Theater nebst Puppen abzuholen. Dafür musste ich den Beiden einen wirklichen Passierschein für die Grenze ausstellen, der belegte, dass sie aus beruflichen Gründen zu mir nach Deutschland reisten. Nach der aufregenden und feierlichen Übergabe des gesamten Settings reisten die neuen Puppeneltern  zurück nach Wien, um mit dem Material den Videodreh vorzubereiten.

Nach meiner Rückkehr aus Österreich, von der Tournee mit Ernst und dem Frauenorchester, breitete ich daheim in meinem Atelier alle Zeichnungen um mich herum aus und begann die Köpfe der Bandmitglieder zu modellieren.

Mein Semester hatte Pause, ohne Unterricht und Vorlesungen ist endlich Zeit für mein Atelier. Der vereinbarte Termin für das Layout der neuen Platte des Frauenorchester war noch weit weg, ich hätte keinen Druck gehabt so unmittelbar zu starten, aber mein Kopf war frisch gefüllt mit den Gesichtern der Band und dem besonderen Erlebnis, weshalb ich sofort ans Werk gehen wollte. 

Mir war beim Zeichnen der Musiker klar geworden, dass sich einige von den Charakteren würden leicht realisieren lassen, aber zwei von den Musikerinnen gaben mir Rätsel auf. Die Begegnung mit den Menschen und ihren Gesichtern waren natürlich ganz verschieden ausgefallen. Es gab ein Gesicht, dass von Anfang an wie die perfekte Puppe wirkte und eigentlich nur umgesetzt werden musste, ein anderes Gesicht schien mir so eindeutig zu sein, dass ich auch hier eine Lösung spürte. Es gab jedoch auch Gesichter, die mir selbst nach ca. 15 Zeichnungen immer noch nicht klar verständlich waren und sich mir verweigerten. Ich sah nicht wie daraus ein guter Puppenkopf entstehen sollte.

Ich startete also mit den „leichteren“ Köpfen und modellierte sie mit Ton. Die ersten drei Köpfe begannen zwischen meinen Fingern lebendig zu werden. Im schwarzen Ton wirken solche kleine Portraits schnell seriös und zeitlos. Die zwei schwierigen Köpfe schob ich also vor mir her und ich hoffte, dass es beim Modellieren schon irgendwie passieren würde, ich begann mit ihnen zu ringen. Bei einer der Musikerinnen  wurden mehrere Anläufe notwendig, doch nach ein paar Tagen begann auch sie lebendig zu werden, ich beschloss sie zu lassen wie sie war. Erst viel später, als ich genug Abstand zu dem Kopf hatte, wurde ich gewahr, dass sie so schlecht nicht geworden war.

Da die Köpfe Porzellan sein sollten lag nun ein langer Weg der handwerklichen Verwandlungen vor mir. Die Köpfe mussten erst in Gipsköpfe verwandelt, also abgegossen werden. Die Gipsköpfe müssen daraufhin neu bearbeitet und so weit vereinfacht werden, dass sie später für Porzellan geeignet sind. Ist dies gelungen bemale ich die Köpfe, was sie ein zweites Mal zum Leben erweckte, oder ihre Präsenz nochmals steigert. Der größte Schritt – nämlich der persönlichste – war getan. Die Erstellung von brauchbaren Gussformen für das Porzellan stellt eine ziemliche Herausforderung dar. Um Gießformen von Gipsköpfen unbeschadet lösen zu können ist einiges an vorbereitender Anstrengung und Wissen notwendig. Zum Glück gelangen die Formen und der Porzellanguss konnte beginnen. Man muss eine ganze Menge an Köpfen auf Vorrat gießen, denn die Brennprozesse erfordert immer wieder ihre „Opfer“, so dass Ausschuss unvermeidlich scheint.

Ca. 2 Monaten nach der kleinen Tournee hatte ich erste weisse Porzellanköpfe in der Hand. Die Bemalung des Porzellans konnte starten. Wenn man entspannt solche Belangen machen möchte ist es auch ganz gut einige Köpfe auf Vorrat zu besitzen. Farben entwickeln sich in der großen Hitze des Brandes (1200°) ihre eigene Dynamik und verändern sich erratisch und rigoros. Jedes Ergebnis ist ein Zufall.  Parallel hatte ich mir Gedanken für ein „Bühnensetting“ gemacht und für die Kostüme der Puppen mir Ideen aufgeschrieben. Natürlich waren mir die Bekleidungsmuster der Frauen und von Ernst nicht verborgen geblieben. Andererseits hatte ich auch meine Interpretation des Songs „Roda Wogn“ zu berücksichtigen und konnte die Puppen nicht einfach nur als Abbilder der Band gestalten. Die Kleidung  musste ebenfalls von mir genäht werden. Durch meine Erfahrungen von dem Puppenprojekt davor beeinflusst hatte Schein paar erleichternde Tricks gelernt, die mir jetzt halfen die Kostüme etwas schneller zu Entwerfen und zu Nähen.

Für die Puppen brauchte ich ein eigenes Theater in dem man die Puppen spielen, aber auch fotografieren  konnte. Dieses Theater muss die Funktionalität einer kleinen Maschine erfüllen. Es soll die richtige Geschichte erzählen, aber gleichzeitig auch einige Features haben. Wie bei meinen ersten Puppenprojekt schwebte mir wieder eine Zentralbühne vor, in die die Puppenspieler von allen Seiten ihre Arme mit den Puppen hineinstecken können sollten und sich gegenseitig dabei anschauen. Man kann das mit einem Inkubator vergleichen. Transparent und von allen Seiten mit geschützten Öffnungen versehen.

So vergingen weitere Monate der Beschäftigung neben meiner sonstigen Arbeit in der Hochschule und im Atelier. Kurz vor den Sommerferien hatte ich die Puppen inklusive ihrer Kostüme fertig. Die Ferien wurden, dank der Pandemie eine dystopische Erfahrung. Eine maskierte Autofahrt durch Frankreich, Spanien und zurück brachte wenige Erholung. Nach den Ferien begann ich mit dem Theaterwagen für die Puppen. Das es, im Dialog mit dem schrägen Text des Songs der Roda Wogn, ein ländlicher Wagen werden sollte war mir klar. Ich recherchierte in der abgeschlossen wirkenden Welt der Amish und zeichnete verschiedene Kutschen. Im Kontrast zur urbanen Band schwebte mir eine kleine enge ländliche Welt vor. Die Kostüme der Puppen waren schon im Amish-Style entstanden und der Wagen sollte ähnlich werden. Er musste sich in eine Bühne verwandeln lassen, rollen und gleichzeitig von allen Seiten durchblickt werden können. Ich besorgte Holz, bemalte dieses und zeichnete den Wagen, nach meinen Handskizzen, am Computer so, dass er ein Bauplan für den CAD Laser wurde.

Irgendwann Mitte September war ich mit dem gesamten Projekt fast fertig. Zwischendurch hatte sich der Zeitplan ordentlich nach vorne geschoben denn in Wien bei Molden-Media plante man, aufgrund er Pandemie , das Platten-Release vorzuziehen. Veronika rief mich im Auftrag von Ernst an und verkündete, dass sich die Band nun zum Aufnehmen der Platte zurückziehen würde und ich bitte bis September etwas vorzeigbares bräuchte. Natürlich gelang es Veronika elegant und mit Charme die Botschaft zu platzieren. Diese Verkürzung kollidierte nun aber recht heftig mit meinen übrigen Verpflichtungen, die ich immer wieder nach hinten geschoben hatte. Zum Glück hatte ich das Projekt zeitig angefangen und so lag ich im neuen Plan, wenn ich jetzt nicht locker ließ.

Kontaktbeschränkungen, Reiseverbot und die ganze träge Coronasituation verzögerten die Übergabe des geschaffenen Projektes an die Band leider dann bis Januar. Niemand hatte es wissen können, aber wie meistens im Leben war die Eile vergebens gewesen.

Ernst und  Veronika, die das gesamte Projekt aus dem off steuerte, kamen mit dem Wagen nach Potsdam, um das Theater nebst Puppen abzuholen. Dafür musste ich den Beiden einen echten Passierschein für die Grenze ausstellen, der belegte, dass sie aus beruflichen Gründen zu mir nach Deutschland reisten. Nach der aufregenden und feierlichen Übergabe des gesamten Settings reisten die beiden nach Wien, um mit dem Material den Videodreh vorzubereiten.