Giro Cartolina

Giro Cartolina

Matera


Post

Schon in der Nacht konnte ich den Regen hören. Am Morgen wurde es nicht wirklich hell und vor dem Fenster zogen Wolkenfetzen durch die Schlucht.

Am Tag zuvor konnte man erleben wie feucht unser Papier wurde, sogar wenn wir von oben geschützt waren. Insofern war an das Zeichnen im Freien nicht zu denken. Der Wind drückte den Regen bis unter die Torbögen. Für Tage wie diese hatte ich vorgesorgt und vor der Reise aus Zeichenkarton einen Stapel Blanko-Postkarten geschnitten. Wir verabredeten uns in einem Café mit einer Abordnung von Studierenden, um ihnen die leeren Postkarten zu übergeben und die Aufgabe zu erklären. Dicht zusammengedrängt an einem kleinen Cafetisch zeichnete ich zwei Postkarten nach Vorlage meiner Zeichnungen und Fotos. Ein Gruppe von jungen Russinnen meldete zwischenzeitlich Bedarf für unseren Tisch an, deshalb bestellten wir immer wieder nach. Die Abgesandten der einzelnen Wohnungen kehrten zurück in ihre WGs, damit sie dort die Postkarten verteilen und zeichnen konnten. Wir gingen in unsere Wohnung zurück und zeichneten am Esstisch die Vorderseiten der Karten für unseren Versand.

Gegen Mittag sollte der Regen nachlassen, Treffpunkt war vor der Kirche San Giovanni di Battista. Auf dem Weg zur Kirchen kauften wir einen Bogen Briefmarken, um die Karten nach Dessau zu senden. Wir wollten die Karten weit gereisten in unserer Ausstellung präsentieren.

Fortsetzung 09.05.26

Zu den Skizzen

Der Innenraum von San Giovanni ist, wie die restliche Stadt, homogen aus Tuffstein gemauert, etwas dunkel, dafür schlank und hoch. Das Gewölbe des Kirchenschiff ist besonders schön konstruiert. Der stille Ort eignete sich ausgezeichnet, um dort zeichnend auszuharren, bis es im Freien wieder trocken genug war.

Erst nach der Kirchenklausur konnte der restliche Tag so genutzt werden wie es ursprünglich geplant war, möglichst viel in Bewegung zu bleiben um kurze Impressionen der Stadt einzufangen. Viele schnelle Skizzen und zwei Panoramaansichten brauchten unsere verbliebene Kraft auf.

Glücklicher Weise hatten wir in den Tagen zuvor eine kleine Osteria gefunden, die manchmal über mehr Personal als Gäste verfügte und durch ihre Begeisterungsfähigkeit auffiel. Dort trafen wir uns am Abend zu einem entspannten gemeinsamen Ausklang.

SW-Fotos Carl Constantin Weber

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