Giro campagna
Matera
05.05.26

Landvermessung
Am Morgen des dritten Tages erwachte ich durch die Rufe der Dohlen in der aufkommende Dämmerung. Unsere gemietete Wohnung lag spektakulär in den Hang der Schlucht gebaut und das Fenster meines Zimmers schaute direkt in den Schlund des Abgrundes . Ich musste nur ein bisschen im Bett vorrücken, um meine erste Zeichnung des Tages von der Bettkante aus zu machen.

Durch Materas mit der Landschaft verwobenen Situation bot es sich an, das Thema Landschaftszeichnung zu behandeln. Die Siedlungsstruktur geht in ihren ältesten Teilen direkt in den Fels über, bzw. in der Schlucht beginnen sich mehr und mehr Höhlen zu verdichten. Stück für Stück wird die Struktur urbaner.

Wir trafen uns mit der Gruppe vor der Kathedrale, absolvierten das Gruppenfoto und bewegten uns in Richtung Schlucht. Beim zeichnerischen warmUp in einer steilen Gasse blockierten wir den Weg für die morgendlichen Lieferungen eines großen Hotels. Wäschelieferanten bugsierten kleine Motorraupen die Treppen hoch. Das zähe Bemühen unsere Hocker aus der Ansicht zu räumen wurde mit Geduld begleitet. Die jungen Männer blieben freundlich und versuchten die getürmte Wäsche auf dem Vehikel im Gleichgewicht zu halten, während wir umständlich unsere Habseligkeiten zur Seite schafften.


Foto Julius Kirschnick, Demozeichnung Gravina di Matera
Der Himmel begann sich zu bewölken, als ich an der Schlucht die erste Demozeichnung vorführte. Ich war gespannt, wie die Studierenden das neue Motiv Landschaft umsetzen würden. Auf den Blöcken entstanden eine Reihe von starken Zeichnungen. Nachvollziehbar fast überall die Bildidee, die sich windende Schlucht war dargestellt , schräge und senkrechte Schraffuren unterschieden Hangwiesen und Felskanten. In der Mitte mäanderte am Grund der Fluss, von breit zu schmal, in meist horizontaler Strichlage.
Folgerichtig stand danach als Motiv der Übergang von Landschaft zur Stadt an. Es war notwenig sich für einen thematischen Schwerpunkt zu entscheiden, die Landschaft mit Häusern, oder Häuser in der Landschaft.
Nach der Mittagspause skizzierten wir das wirkungsvolle Motiv der eingerüsteten Kirche San Pietro. Am Rand der Schlucht thront sie auf einem hohen Fels. Der Corpus der Kirche verlängert sich fließend in die darunter liegende Steinmasse. Das Baugerüst ist tief in die Schlucht aufgebaut und umhüllt sowohl Fels auch auch Kirchenschiff.
Ein herausforderndes Motiv. Es galt den Übergang von Natur zu Architektur und die Überlagerung von Gerüst und darunter liegendem Körper zeichnerisch zu lösen, mit teilweise beachtlichem Erfolg.





Fotos Constantin Weber





Fotos Carl Constantin Weber

