Carl Constantin Weber

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Venedig Zeichenexkursion, 6. Tag

Canal buio oder Film noir?

Das Wetter hat uns all die Tage die Treue gehalten und so war es heute zu verschmerzen, dass die Sonne sich eine Auszeit gönnte. Auf den feuchten Spuren der Stadtgründung Venedigs, durch die Lagune, via Burana nach Torcello. Die Kontrastarmut des Lichtes störte wenig, verursachte nur eine etwas melancholische Stimmung . Allerdings war die gefühlte Temperatur empfindlich niedrig.

Treffpunkt Fermata Fondamento Nove – Torcello.

Die kleine griechische Zentralkirche in Torcello war sparsam geheizt,  die wunderbare frühromanische Basilika hingegen um so weniger. Beim Zeichnen in der Basilika wurde uns alles abverlangt, die Kälte kroch in die Knochen.

Proxima Fermata Murano. Ebenso kalt, aber ein bisschen Bewegung, um über die Insel zu laufen war lindernd. Ziel San Donato,  einzig um den  byzantinischen Steinboden zu besuchen. Für einen solchen Boden lohnt sich allerdings jede noch so weite Anreise.

Danach etwas glasigen Kitsch kaufen. In unserem Portfolio fehlte noch auffällig das Wasser, so entschloss ich mich (trotz der Temperaturen) doch noch das geforderte Kanalbild  zeichnen zu lassen. Sehr kalter Wind auf den Rücken war der Preis für ein dankbares Motiv. Wir standen direkt postiert vor einem grauenhaft bemühten Kunstwerk aus blauem Glas, vor uns krümmte sich ein kleiner, aber pittoresker Nebenkanal. Das Lichtthema musste gesondert analysiert und vorgeführt werden, da ein gewohntes Schattenbild fehlte. Vorgabe:

Kanal dunkel schraffieren, Kaimauer dunkler stricheln, Trottoire hellgrau bis weiss und schliesslich die Fassaden fast weiss, nur unterbrochen von dunklen Toren und Unterführungen. So konnte eigentlich nichts mehr schiefgehen (abgesehen von den bekannten Horizontproblemen). Interessanter Weise kann man eine solches Ansicht offensichtlich auch komplett schwarz zeichnen! Ob das daran lag, dass jemand vor der Abreise noch schnell seinen Bleistift leeren wollte, um im Flugzeug weniger Handgepäck zu haben? So dunkel war es jedenfalls um 14:00 Uhr nicht.

Im Boot, auf der Rückfahrt, wurden still die aufgehobenen Pommes von Vorgestern geknabbert und andere diverse Kühlschrankreste, von uns kann der Venezianer offensichtlich noch etwas lernen.

In der ganzen Friererei war uns der übliche Zwischendrink ganz aus den Augen gekommen. Wir verabredeten ein Abschiedsglas auf dem Campo Margherita, nach dem Packen der Taschen für die Nacht, um unsere kleine Reise angemessen ausklingen zu lassen.

Es wäre aber eine Illusion zu glauben, man käme auf dem Weg nach Hause, zu Fuss durch Venedig hindurch, ohne an einem Bàcaro, einer Osteria, oder einer Bar hängenbleiben zu können. Dies verhindern schon ganz allein die Gäste dieser verlockenden Lokale, denn sie stehen mit bunt leuchtenden Gläsern vor der Tür und schnattern in fröhlichen Gruppen. Das gleiche Spiel beginnt wieder beim Verlassen des Hauses.

 

Unsere Reisegruppe wartete schon im Café. Wenn man nicht die dazugehörigen Gesichter gesehen hätte, so wäre schon der Blick auf die Tische im Rosso ausreichend gewesen, um zu sagen wer zu welchem Tisch gehört. War der eine Tisch mit orangen schimmernden Spritzgläsern (und einem Wodga energy) gefühlt, so standen auf dem zweiten Tisch eine Batterie Teekannen im Kreis. Uns gelang es später die Trinkgewohnheiten etwas multikultureller zu gestalten und zu mischen.

Ein nicht zu lösendes rechthaberisches Intermezzo, wie man das Wort Academia venezianisch betont konnte nur durch eine empirische Untersuchung geklärt werden. Wir setzten uns des Nacht noch schnell ins Vaporetto und steuerten diese Haltestelle an…. Proxima Fermata AcadEEEmia! Certo!

Dieser Workshop war für uns alle ein Projekt, dass sich sehr gelungen entwickelt hat. Der Plan war gut, das Ergebnis noch ein Stückchen besser. Wir werden diesen Workshop bestimmt wiederholen!

 

Tutti a posto!