Carl Constantin Weber

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Premiere „100 Jahre Einsamkeit“, auf der Laborbühne des Fachbereichs AFG, Hochschule Dessau

 

Konjunktivisches Puppentheater im hagiographischen Schlagschatten des Bauhauses.

Alle Sitze der Junkers D-AFG nach Hanoi via Peking waren besetzt, der Flug somit ausgebucht. Zur Premiere des, das Bauhausjahr abschließenden, Puppentheaters am Fachbereich Architektur und Geoinformatik, erschien eine große Zahl an Kollegen. Der kleine Aufführungsraum hätte mehr Besucher für eine genussvolle Aufführung kaum vertragen. 

Das große Interesse an dieser internen Sneak Preview war für mich als Gastgeber eine Überraschung und Erleichterung, denn das Ausrichten dieses Abends fühlte sich für mich zuvor wie ein gewagtes Experiment mit ungewissem Ausgang an.

In den letzten 1 ½ Jahren habe ich, neben meiner Arbeit an der Hochschule und meiner Atelierarbeit als Bildhauer, nach und nach eine ganze Reihe von Puppenportraits angefertigt. Eigentlich war ich in diese Arbeit eher zufällig und Stück für Stück hineingerutscht. Angetrieben von einer experimentellen Neugierde auf erste Ergebnisse, entwickelte sich das Ganze zu einer geschickten Selbstbeschummelung (was freie künstlerische Arbeit meist ist), die irgendwann soweit fortgeschritten war, dass ein Ausstieg oder geordneter Rückzug nicht mehr möglich schien.

Kleine Portraitskizzen in Bleistift, die während der vielen gemeinsamen Sitzungen im Fachbereich entstanden waren, bildeten den Fundus für die Schöpfung einer Sammlung ausgeprägter Charaktere.

Ergänzt durch ein Notizbuch gefüllt mit typischen Zitaten (Dossier einsamKeit), die diesen Charakteren zugeordnet werden konnten, mögliche Ereignissen aus der kollegialen Realität, herausgerissen aus ihrem Zusammenhang und zusammengesetzt zu einer neuen Collage, dienten als Handlungsrahmen. Diese Fiktion eines beruflichen Biotops implantierte ich in die Aufgeregtheit eines nicht enden wollenden Jubeljahrs zum 100jährigen Bestehen des BAUHAUSes. Mit dieser ätherischen Mischung ließ sich gut hantieren und dramaturgische Unerfahrenheit (auch Dilettantismus genannt) durch authentische Gefühle ersetzen. Schon immer fremdelte ich mit der hagiographischen Verehrung für 7 Jahre Bauhaus. Eine zweifelsohne beeindruckende Episode voll Lebenskraft, Erfindung und Schöpfertum. 

Jedoch scheint ein ganzer Berufsstand, oder sogar einige Berufsstände, seit der Periode des BAUHAUSes in eine Art Schockstarre verfallen zu sein und das obwohl es in unserer Baugeschichte so viel mehr beeindruckende Episoden gegeben hat, die inspirierend wirken sollten.

Der Abend gestaltete sich in einer konjunktivischen Darbietung. Anstelle eines wirklichen Stückes, wurde die Handlung den Zuschauern in Wort und Bild geschildert oder exemplarisch nachgestellt.

Während des Abends wurden alle Gäste vom bordeigenen Getränkeservice ausreichend mit gezuckerten und geistigen Getränken versorgt. Jeder Besucher hatte zudem Anspruch auf ein klassisches Board-Menu der alten Schule. Nach ca. 2 Stunden landeten alle Premierengäste, Turbulenzen aller Art überstanden, gemeinsam und sicher auf dem Boden der Laborbühne.

 

 

 

 

 

Puppengestaltung, Stück, Bühnenbild und Design Layout

Carl Constantin Weber

 

 

 

 

Bilder

Anja Müller, Carl Constantin Weber