EUROCAMPUS ZAGREB, 3. TAG

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EUROCAMPUS ZAGREB, 3. TAG

Von Kremšnita nach Šibenik, auf dem Holzweg

Auf den merkwürdig kindlich schematischen Ansichten sahen sie wesentlich harmloser aus. In der Realität stellten sich die kartographierten Beulen unserer Mietwagen als eindrucksvoller dar. Sollten wir daraus Rückschlüsse auf den kroatischen Strassenverkehr ziehen? Wir beschlossen unsere Karrieren als temporäre Busfahrer sorgenfrei zu starten und schoben diese offensichtlichen Deformationen auf das Unvermögen betagter Mietwagennutzer.

Endlich regnete es nicht mehr und wir konnten Zagreb bei dichtem Berufsverkehr verlassen. Nach und nach veränderte sich die eher industriell geprägte Landschaft in ländlichere Region. Beide Busse sind bis auf den letzten Platz besetzt. Während ich mit 8 Studenten aus Malaysia und China einen Bus fülle und sogar über zwei Beifahrer gleichzeitig verfüge, fahren die beiden Kollegen, genauso kompakt besetzt, das Partnerschiff. Die Busse schrauben sich langsam in die Bergwelt Kroatiens, der Baumbestand nimmt wunderbar herbstliche Färbung an.

Unsere heutige erste Station gilt dem Besuch eines Nationalparks. Diese, für eine Architektenexkursion, eher ungewöhnliche Entscheidung ist der Tatsache geschuldet, dass Kroatien ganz wesentlich durch seine wilden, unberührten Landschaftszusammenhänge geprägt ist. Das Land hat nur wenig Einwohner für seine Grösse und soll natürlich in seiner Gesamtheit verstanden werden können. Die Plitviča Seen sind Weltkulturerbe und ein enorm lohendes Ziel.

Auf schmalen und äußerst hübschen Bohlenwegen wandert man durch eine fast japanisch anmutende elegante Wildnis. Es stürzen Wasserläufe und -fälle in jedem erdenklichen Winkel in das türkis glänzende Oval diverser Seen.

Mitten im Geschiebe der unzähligen Menschen werden erste Skizzen gewagt. Es gilt sich dem Thema des bewegten Wassers zu nähern. Immer wieder sieht man unsere Reisebegleiter, still und lang, die an Seidenmalerei erinnernde Landschaft betrachten.

Das Verlassen des Parkareals erweist sich als etwas schwierig, weil ein deutsches Touristenauto partout seine Poleposition an der Parkraumschranke nicht räumen möchte, obwohl seine Ticket ganz offensichtlich diese nicht zu öffnen vermag. Gutes Zureden, energisches Zureden meines Kollegen erzielte leider nicht den gewünschten Erfolg, auch meiner freundlichen Hupe gelingt es nicht ihn umzustimmen.

Die nun folgende Strecke, zwischen dem venezianisch geprägten Šibenik an der Küste und dem gerade besuchten Nationalpark, ist eine Aneinanderreihung von spektakulären Natur- und Wildniserlebnissen. Die alpine Hochebene ist für den Mitteleuropäer eine ungewohnte Seherfahrung. Große Weiten, gesäumt von 2000 Meter hohen Bergen zeigt nur minimale Spuren von Zivilisation. Es fällt schwer diese Weite und Unberührtheit mit Europa zu verbinden, eher erinnert die Prärielandschaft an die nordamerikanische Ebene.

Wir stoppen hier und da, um uns die Beine zu vertreten und das kontinentale Abendlicht fotographisch einzufangen. Es ist schon lange dunkel, als wir endlich Šibenik erreichen. Der uns empfangende würzige Duft nach Pinien verleitet den erfahrenen Kollegen begeistert zu behaupten die Zedern des Libanons zu riechen. Nach der Wildnis nun Arkadien!

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