Enthüllend

Enthüllend

Enthüllung des Tympanons, 22.06.24

Foto Klemens Ortmeyer

Am Morgen der Enthüllung waren wir früh aus Potsdam nach Varel aufgebrochen, so dass wir noch die Vorbereitungen für die Feier erlebten. Es wurden Stühle vor das Westwerk der Kirche getragen, um die geplante Podiumsdiskussion direkt unter dem Tympanon im Freien stattfinden zu lassen. Der Sommertag war kühl und etwas wechselhaft.

Da auch schon einige Freunde mit größeren Entfernungen angereist waren suchten wir ein Café, um uns zu sammeln.

Gegenüber der Schlosskirche befindet sich die „Schlossschänke“, hier gibt es ein paar Tischen auf dem Platz und einige vor der Schänke, die von den Stammgästen benutzt werden.

Vor dem Kirchenportal waren die Stühle wieder hereingetragen worden, denn das Wetter hatte sich für etwas Niesel entschieden. Zurück in der Kirche waren wir, zu diesem Zeitpunkt und kurz vor der Andacht, fast die einzigen Gäste. Es bot sich an die prächtigen Prinzipalstücke von Münstermann genauer zu betrachten, natürlich den Altar, die Kanzel und den Taufstein mit Deckel.

Kaum waren wir mit unserem Rundgang durch, hatte sich, man wusste nicht woher, die Kirche gefüllt. Pünktlich zur Andacht war das Kirchenschiff voll besetzt.

Wir hatten uns nach hinten platziert, um die Feier in Ruhe verfolgen zu können. Von unseren Plätzen konnte man das Innere der Kirche im Gesamten genießen. Das Kirchenschiff ist angenehm klar in seiner Ausstattung, es gibt nur wenige Objekte, diese aber sind dafür hochwertig.  Das Langhaus vermittelt durch das spitzbogige, ganz in weiß gehaltene Domikalgewölbe einen lebendigen plastischen Raumeindruck. Im Osten prunkt der farbenprächtige Hochaltar, vor ihm der besondere Taufstein und an seiner Flanke steht die Kanzelgruppe, mehr gibt es nicht was ablenken könnte und verdeutlicht, welche Bedeutung das neue Portal für diese Kirche haben wird. Das neue Kirchenportal wird die historische Sammlung von wenigen exzellenten Stücken zeitgenössisch ergänzen.

Die Andacht widmete sich dem Leben des Petrus, dem die Schlosskirche geweiht ist. Das Leben von Petrus werden wir auch auf den Portaltüren wiederfinden, in protestantischer, katholischer und legendenhafter Beleuchtung. Diese Trinität zeichnet die Person Petrus aus der Position des Humanismus, für die Menschen unserer Zeit.

Nach der Andacht sammelten sich die Menschen vor der Kirche für den Moment der feierlichen Enthüllung. Inzwischen waren die Stühle wieder vor der Kirche zu finden, denn die Wetterlage hatte sich gebessert.

Das im Frühjahr von der Gießerei Gugg aus Straubing montierte Tympanon war direkt nach der Aufhängung den Blicken entzogen worden. Die Verhüllung war notwendig gewesen, weil die Montage wesentlich früher, als die geplante Einweihung stattfinden musste. So half die graue Plane über den Eingangstüren, um der späteren Einweihung des Kunstwerkes nicht die Spannung zu nehmen.

Nach einigen Grußworten unter dem noch verhüllten Tympanon von den Verantwortlichen des Projektes und von Bürgermeister Wagner zog dieser, gemeinsam mit dem Architekten Johann Boner, das Seil der Plane. Endlich sank der Stoff in großzügigen Falten, in gemessen Tempo von dem vielfigurigen Relief herab. Der Blick war das erste Mal freigegeben, es brandete warmer Applaus auf, begleitet von einzelnen Rufen der Überraschung. Die sehr tief stehende Sonne warf ein weiches Licht auf die rot-schwarze Bronze. Lang verweilten die Menschen in Stille vor dem nun sichtbaren Tympanon und lasen das sich bietende Bild. Der Moment der konzentrierten Stille war einer der intensivsten Momente des Abends. 

Es war eine schöne Überraschung, dass alle Besucher für das geplante Podiumsgespräch da blieben. Niemanden drängte es eilig weg.

Das Podiumsgespräch fand unter dem Tympanon statt. Es sollte Fragen zum Projekt beantworten. Es nahmen Teil der Berliner Kunsthistoriker und Vorsitzende der Münstermann-Gesellschaft, Dr. Dietmar Ponert, Frau Marianne Janssen als Sprecherin des Förderkreises, der Architekten Johann Boner, Till Krägeloh (Barthel-Stiftung) und ich. Moderiert wurde der Abend von Frau Marianne Theil.

Das Gespräch berührte künstlerische Fragen, gab eine Rückschau auf die bisherige Entstehungsgeschichte und Ausblicke auf die noch vor uns liegenden weiteren Schritte bis zur Vollendung des Portals.

Im Verlauf des Podiumsgesprächs wurde das Licht auf dem Relief heller und wärmer, so dass ich ab und an meine Position verlassen musste, um selbst den Blick des Publikums einzunehmen. 

Den Schlusspunkt des Gesprächs setzte Dr. Ponert mit einer faszinierend intensiven Auslegung der Ikonographie des Reliefs. Seine Worte der Deutung vereinigten sich mit dem über ihm im Abendlicht leuchtenden Tympanon zu einem ganzheitlichen Erlebnis.

Ich danke besonders für die vielen schönen Gespräche mit BesucherInenn der Enthüllung danach, die mir zeigten wie sehr es sich gelohnt hat dieses Projekt zu starten.

Bilder der Arbeit, klick hier

Foto Bruno und Tassilo Weber
Foto Bruno und Tassilo Weber
Foto Luna Weber
Foto Klemens Ortmeyer
Foto Bruno und Tassilo Weber
Foto Klemens Ortmeyer

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