Carl Constantin Weber

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Venezia 2016, müde Runde, die Luft ist raus, Klecksel fährt nun schnell nach Haus

Der Streifzug durch den nächtlichen Carnevale steckt mir noch in den Gliedern, als ich um 6:30 Uhr wieder von der Heizung aufwache.

Wir waren spät nach Hause gekommen, gegen Ende musste ich meine Tochter auf den Schultern tragen. In den Strassen der Stadt gab es viel Livemusik, oder DJs legten Musik auf. Die Menschen standen in dichten Trauben auf den Strassen. Bananen, Piraten, Pandabären, oder Krokodile tanzten und tranken gemeinsam Wein.

Die Plätze, die am Tage von Touristen okkupiert sind waren nun fest in der Hand der feiernden Venezianer. Die klassischen Venedigkostüm sah man deutlich in der Unterzahl. Als sich jedoch die Gesichtsfarbe der Kinder in Kalkweiss wandelte wurde es Zeit heimzukehren.

Nach dem hitzigen Aufwachen stand meine letzte einsame Laufrunde durch Venedig an. Zum Abschluss wollte ich, wie im letzten Jahr, die gesamte Stadt umrunden. Es war kalt geworden, aber weiterhin herrschte klares Wetter. Ich genoss die Stadt im Morgenlicht und konnte nicht verhindern, dass meine Beine immer schwerer wurden. Froh beim Bäcker angekommen zu sein gab ich meine Bestellung auf. Ich war zu früh für Fritelle im Laden und musste mit Cappuccino auskommen.

Meine Tochter hatte für den letzten Tag beschlossen ohne Zeichenblock loszuziehen, ihr Entschluss stand fest, kein Locken und Werben half, ok.

Auch der Bäcker des II. Frühstücks war noch nicht in Fristellestimmung, wollte aber in 15 Minuten frische liefern. Zeit genug, um den Corleone vom ersten Tage noch einmal auf vernünftigem Papier zu versuchen. Inzwischen hatten die zurückliegenden Tage meine Materialproben zu einem (für mich) deutlichen Resultat geführt. Bis auf eine Sorte waren alle anderen Sorten Papier durchgefallen, natürlich ist das teuerste als brauchbarstes übrig geblieben.

Heute war ich nicht mehr in guter Zeichenform, ich war müde und ungeduldig und spürte, dass meine Zeichnungen die Familie aufhalten. Wir besuchten ein paar entlegenere Stadteile und fanden unsere alte Osteria wieder, in der wir als Studenten manchmal gegessen hatten. Ein einzelner Tisch stand allein vor dem Lokal. Obwohl auf ihm gerade der Fisch geschuppt worden. war setzten wir uns dankbar hin und bestellten kinderuntaugliche Leckereien. Warum essen Kinder in Teig frittierten Kabeljau eigentlich so ungern, wenn sie gerne Fischstaebchen essen? Fischstaebchen bestehen aus in Teig frittiertem Kabeljau. Ich glaube die freestyle Form des handgemachten Fischstaebchens macht ihnen Angst. Sicher fühlen sie sich offensichtlich nur, wenn die Industrie alles schön genormt hat.

 

Wir drängeln uns nun durch die kontaminierten Meeltingpoints der Touristen, um ins Univiertel zu gelangen. Ein sentimentaler Besuch an den alten Fakultäten und eine letzte Zeichnung im warmen Sonnenlicht, rundet die Abschiedstour ab, bevor wie alle müde zur Wohnung zurückkehren, um unsere Taschen und Beutel zu holen.

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