Carl Constantin Weber

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Venezia 2016, Maler Klecksel Exkursion, 1. Tag die Kleckserei beginnt…

Wieder Januar, wieder Venedig.
Im letzten Jahr war ein Venedigaufenthalt, als Zeichenworkshop mit einer Gruppe von Studenten, als erfolgreiche und schöne Zeit in Erinnerung geblieben (Siehe hierzu den blog von Januar 2015). Daheim wurden die Berichte und Ergebnisse mit regem Interesse entgegengenommen und damals beschlossen gemeinsam diese Fahrt zu wiederholen. Dieses Mal ergab sich die Fahrt ohne die Begleitung von Studenten, dafür aber mit Frau und Kindern. Die Jüngste war sehr erpicht darauf auch zu Zeichnen, wir hatten dies schon einmal in Paris erprobt.
Über die letzten Jahre habe ich auf vielen Exkursion die Reisetagebücher mit dem Bleistift bestritten, dabei wurden die Blätter Jahr für Jahr immer kontrastreicher und bleihaltiger.
Für diese Reise hatte ich mir ein neues Ziel setzen wollen, ich nahm mir vor etwas Anderes zu erproben.

„Doch größern Ruhm wird der verdienen,
Der Farben kauft und malt mit ihnen.“

Das Haushaltsjahr 2015 hatte mir eine schöne Auswahl an Farbe-Copics beschert. Mit einer reduzierten Auswahl hatte ich zuvor einen Kurs veranstaltet, der mich motivierte mehr zu wagen. Meine grosse Schachtel Farbfilzstifte reiste mit uns nach Venedig. Selbstverständlich packte meine Tochter auch ihre Filzstifte ein.

„Wer wird vor allen hochgeschätzt?
Der Farbenkünstler! Und mit Grund!
Er macht uns diese Welt so bunt.
Darum, o Jüngling, fasse Mut;
Setz auf den hohen Künstlerhut
Und wirf dich auf die Malerei;
Vielleicht verdienst du was dabei!“

Meine Stunde als Maler Klecksel 2.0 (Filzstift reloaded) hatte geschlagen. In den Weihnachtsferien wagte ich mich schon an dieses schwierige Thema, in führte in meiner Trikottasche auf dem Rennrad ein kleines Skizzenbuch mit mir. Gänzlich auf Linie verzichtend trug ich, mit kratzenden Geräuschen, die Farben direkt auf das Blatt auf. Ausgerüstet mit dem falschen Papier waren meine Stifte bald leer. Missglückten die ersten Versuche noch gänzlich, so kam, nach und nach etwas heraus, was man entfernt mit einem Ergebnis vergleichen konnte.

„Ich bin daher statt des Gewinsels
Mehr für die stille Welt des Pinsels;
Und, was auch einer sagen mag,
Genußreich ist der Nachmittag,…“

Letzteres war massgeblich, es machte Spass, aber ich beschloss etwas an der Technik zu ändern und besorgte mir eine andere Papiersorte, um nun mit dem Bleistift vorzuzeichnen und dann, etwas sparsamer zu kolorieren.

„Der Stoff ist Kuno sehr willkommen,
Die zweite Hälfte ausgenommen,
Um ihn mit Kohle zu skizzieren
Und dann in Farben auszuführen.“

Leicht übermüdet wankten wir aus dem Flugzeug direkt aufs Boot durch die neblige Lagune nach Venedig. Den Kindern wurde eifrig das Besondere einer strassenverkehrslosen Stadt nahegebracht (was man ohne unsere Erklärungen zweifelsohne nicht bemerken würde), während wir uns der gemieteten Wohnung näherten.
Nach einer kurzen Rast zogen wir in die Stadt und führten unser Material schon mit uns, nur zur Sicherheit…
Allerdings setzte meine Tochter dieser Absicherung gleich ein Ende, indem sie die erste Skizze einforderte. Daheim hatte ich die leeren Stifte gut gemeint zu voll betankt, denn nun, beim Deckelabnehmen klecksten sie ganz diensteifrig aufs Papier. Meinen Plan nur sparsam mit Farbe zu intervenieren gelang mir bisher noch wenig gut, so dass ich einem meiner Söhne die Gelegenheit bot gleich anerkennend zu bemerken, dass die Bilder schön bunt gelungen seien. Ja… genau so nicht…

In der Osteria, bei farbigen Getränken und vielen appetitlichen kleinen Versuchungen gefielen mir die bunten Farben jedoch ganz gut. Morgen ist leider wieder Nebel, vielleicht hätte ich noch mehr Grautöne einpacken sollen.

Gedichtzitate alle Maler Klecksel, Wilhelm Busch