Carl Constantin Weber

Portfolio

Türme

Das vertikale Volumen ist seit ewigen Zeiten ein die Menschen faszinierendes Gestaltungsmotiv.
Als Reliquien, Insignien, Fetische und natürlich auch als Gebäude.
In einer zumeist horizontalen Umgebung ist es eine Form die
die Wahrnehmung bindet und somit gerne für den Ausdruck von Macht benutzt wird. Zumeist wird diese Feststellung etwas billig mit einer “Männlichkeitssymbolik” gedeutet. Aber ebenso nahe liegend erscheint die Feststellung, dass der Mensch als aufrecht gehender Zweibeiner selbst ein vertikales Volumen ist. So haben diese vertikalen Objekte schnell etwas kreatürliches und gleich- nishaftes.
Man kennt Manhattan als vertikale Stadt und gleichzeitig als enges orthogonales Stadtraster. Die Geschlechtertürme der Frührenaissance in Italien und Süddeutschland waren ein Zeugnis vom Wettkampf der Mächtigen. Die Legende vom
Turm zu Babylon, bei der der Wunsch nach Gottähnlichkeit
zum Verderben führte ist ein altes Bild welches belegt, das die Vertikale als Körpergestalt gesehen wurde, denn es heißt: “Du sollst Dir kein Bild von mir machen…”.
Diesen ungebremsten Exzessen beim Streben in die Höhe hafte, bei aller Mächtigkeit, auch immer etwas morbides und endzeitliches an. So ist es ein spannendes Symbol unserer Gegenwart, dass ausgerechnet in der Vorphase der aktuellen Weltwirtschaftskrise rund um die Welt ein neuer Wettlauf entbrannt ist um das höchste Gebäude der Welt, oder den ver- formtesten Wolkenkratzer. Obwohl das vertikale Bauen in den meisten Fällen ökonomisch und ökologisch völlig widersinnig ist, fasziniert dieser Ausdrucksträger doch weiterhin die Bauherren. Aber es gibt auch wundersame und wunderschöne andere Beispiele für die Vertikale. In der berühmten jemenitischen Stadt Shibam wird seit vielen Jahrhunderten Wohnturm um Wohnturm aus rohem Lehm und Holz hochgezogen. Diese Volumen sind zum Teil weiß gekalkt und immer wieder im plastischen Aufbau
anders gelöst. Aufgabe
Auf einer festgelegten Grundfläche von ca. 35
x 35 cm wird ein Turm
aus Lehm gebaut. Dabei stehen die unterschied- lichsten Arbeitstechniken
zur Verfügung. Dieser Turm, der zwischen 140-200 cm hoch werden darf, wird aus zwei bis drei Module zusam- mengesetzt. Experimentelle Baumethoden werden eben- so gefördert wie klassische Bauweisen. Der Turm kann skelettartig gegliedert sein, oder die Oberfläche ist geprägt und geritzt. In jedem
Fall wird es sich um eine Hülle aus Ton handeln. Vorstellbar sind auch collagenartige Einbauten aus Holzteilen und Bemalungen.
Zu Beginn, in der Phase der Ideenfindung wird allein über die vertikale Form nachgedacht, später in einer zweiten Phase wer- den die Türme auf ein urbanes Miteinander überprüft und geän- dert. Natürlich hat ein Turm immer etwas Solitärhaftes, aber gerade in der Verbindung zu einem Stadtraster verspricht die Form interessant zu werden.
Meist ist die Tendenz die Türme unserer Zeit wild zu verformen mehr ein Ausdruck des Wunsches nach Aufmerksamkeit, als der Weg eine gelungene vertikale Form zu entwerfen.
Die Türme aus Ton werden am Ende gemeinsam ein Stadtrastere bilden, ähnlich der Stadt Shibam.