Carl Constantin Weber

Portfolio

Arabeske

Das Kursangebot „arabeske“ möchte durch eine Veränderung der gewohnten Blickrichtung die Sicht
auf das uns umgebenden Kulturerbe neu schärfen, indem wir versuchen uns auf die Prinzipien eines anderen Kulturkreises einzulassen. Die architektonische Gestaltung der uns umgebenden Räume folgte durch alle Epochen hindurch tektonischen Grundwerten die allgemein als abendländisch gelten. D.h. das tradierte Wissen fundiert auf der Darstellung des Tragen und Lastens im Zusammenspiel mit der Komposition von geometrischen Grundvolumen.
Dieser Grundkanon der europäischen Zivilisationen und Kulturen bot über Jahrtausende unzählige Variationsmöglichkeiten für alles was gebaute Gestalt annehmen sollte.
Die menschliche Wahrnehmung des Raumes findet in diesem Umgang mit Gestalt und Funktion auch ganz wesentliche optische Reize wieder, auf die unser Auge angewiesen ist, um Raumzusammenhänge klar zu deuten.
Wenn man sich die Kriterien nach denen wir Raum erleben vor Augen hält dann fällt auf, dass es viele Kulturen gibt, die sich von unserer abendländischen tektonischen Weltsicht unterscheiden. natürlich nicht in allem, denn die Raumwahrnehmung gehört zum Menschen, aber die Schwerpunktbildung kann anders ausfallen.
Es ist befruchtend, wenn wir unsere gewohnte eurozentrische Sichtweise durch einen Blick auf andere Systeme erweitern, indem wir für eine Weile versuchen das andere Raumverständnis zu untersuchen und versuchsweise selbst mit ihm zu arbeiten.
Unsere Kultur ist immer wieder mit der benachbarten morgenländischen Zivilisation in Kontakt gekommen und es hat gegenseitig Befruchtungen gegeben. Man muss die Architektur der Araber oder Osmanen auch nicht als etwas völlig anders einstufen, denn auch dort sind die tektonischen Grundverständnisse des Abendlandes eingeflossen, ebenso wie Einflüsse von dort zu uns gedrungen sind. Zu tief sind die geschichtlichen Durchdringungen dieser Zivilisationen, bis hin zu gemeinsamen Wurzeln.
Gemeinhin wird gesagt, dass in den orientalischen Gebäuden weniger das Tragen und Lasten prägend ist, als vielmehr die Wirkung der Kulissen und Oberflächen. Gilt unsere Baukultur als körperhaft ausgerichtet, so spricht man bei der orientalischen Baukunst eher von Flächenwirkungen.
Die Wand kann hier als ein Vorhang verstanden werden, besser noch als viele hintereinander liegende Vorhänge. Die Kuppel fungiert als Himmel, vielleicht hat auch die temporäre Wohnsituation der Nomadenvölker, das Leben in Zelten, zwischen Palmenhainen Einfluss gehabt.
Die Wand wird gestaltet und durchwirkt von einer reichen Kultur der Ornamentik. Dieser Umgang mit Wand und Fassade ist ein ganz anderer, als die plastische Durcharbeitung unsere historischen Fassaden.
Der hohe Wissenstand in der Mathematik, die Verarbeitung von Schrift als Schmuck und der distanzierte Umgang mit dem Bild sind die Quellen der Ornamentik. In der europäischen Baukultur ist das Ornament natürlich auch entwickelt, es wird hier als Groteske bezeichnet. Die Groteske der Römer (in der Renaissance wieder aufgenommen) ist jedoch wesentlich bildhafter.
Wir werden uns mit der Eigenständigen Entwicklung von Ornament und Wirkung beschäftigen. Nicht das Kopieren von orientalischen Motiven ist das Ziel, es sollen durchaus eigene Einflüssen weiterentwickelt werden. Vielmehr werden wir versuchen durch den Einsatz von Wand und Ornament die „andere“ räumliche Wirkung zu kreieren.