Carl Constantin Weber

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EUROCAMPUS ZAGREB, 6. TAG

Game of Thrones, als topographische Erfahrung und der zeichenresistente Schweinehund

An unserem Esstisch fängt es fürchterlich zu stinken an. Mitten auf dem Tisch steigt aus einem flackernd brennendem Teelicht verdächtig schwarzer Rauch auf. Der Kellner eilt an unseren Tisch und wirft, linkisch grinsend, das Teelicht auf den Platz vor die hell beleuchtete Barockfassade. Ich versuche mir einen Reim darauf zu machen, wieso er sich so merkwürdig verhält und so ungläubig den Kopf schüttelt? Seine englischen Worte hallen, im ersten Moment zusammenhanglos, durch mein Unterbewusstsein

„can`t believe it… you real burn the light“… ??

Mein Kollege, auf der anderen Tischseite, setzt jetzt eine schuldbewusste Miene auf und bei mir beginnt simultan eine Erkenntnis Fuss zu fassen. Der Kellner sprach offensichtlich bewusst von Light und nicht Candel. Meine Kollege schaute also nicht grundlos unglücklich, denn er hatte ein elektrische Teelicht aus Kunststoff (mit seinem Hajduk Split Feuerzeug) in Brand gesetzt, was ihm wohl gleichzeitig mit uns klar zu werden schien.

Der Tag, der vor diesem feurigen Abend lag, war intensiv und sinnstiftend verlaufen. Wir wurden schon am Morgen von wunderbarem Wetter geweckt und konnten so, unter besten Bedingungen, die Stadtanlage besichtigen. Viele analysierende Unterbrechungen wurden eingeplant, Skizzen wurden eingefordert, wenn auch nicht immer zu vollsten Zufriedenheit der Beteiligten auf beiden Seiten der akademischen Nahrungskette. Obwohl sich das Zeichnen immer wieder, als unschlagbares Werkzeug der entwerferischen Vorbereitung erweist,  reisbegleitend als Erinnerungsstütze nicht wegzudenken sein sollte,  und, obwohl dies ständig vom begleitenden Lehrpersonal vorgeführt wird, scheint die Überwindung des ungeübten inneren Schweinehundes fast unmöglich zu sein.

Und doch, selbst bei den ungeübtesten Händen stellt sich, nach der dritten Zeichnung, sichtbar Fortschritt ein. Während der eine altmodischen Kollege eifersüchtig darauf achten, dass der andere altmodischen Kollege ja nicht mehr zeichnet, als er selbst und so ein regelrechter Wettkampf im Verborgenen tobt, ist bei der „next generation“, das Fototagebuch unschlagbar.  Kein Wunder, das Speicherkarten inzwischen die Größe von Zentralrechnern benötigen.

Dubrovnik bietet unzählige Anknüpfungspunkte für unser Entwurfsprojekt und erweist sich nicht nur als wunderschön, sondern auch als dankbares Studienobjekt.

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