Carl Constantin Weber

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EUROCAMPUS ZAGREB, 4. TAG

Türken in Dalmatien, Nordroute

Die Bomben hatten Dach und Seitenkapelle der Kirche getroffen, der siebenjährige Junge  hingegen blieb glücklich unversehrt, und obwohl dieses Ereignis schon 24 Jahre zurückliegt, sind seine Einrücke aus jener Zeit noch sehr präsent.  Der junge Mann, der uns zufällig von seinen Erlebnissen in Šibenik, während der Zeit des Beschuss durch die Serben, berichtete war  sehr ergriffen, mehr als im lieb und bewusst war, als er freimütig von damals zu berichten begann. Eben noch waren wir in ein angeregtes Gespräch  über Wein, Marmor und Land verwickelt, kurze Momente später schon mittendrin in der persönlichen Schilderung einer nationalen Tragödie.

Sankt Jakob zu Šibenik, der eigentlich Grund unseres Besuches in dieser Stadt, erstrahlt in monochromen Weiss. Seine Besonderheit ist die Übereinstimmung von Aussen- und Innenfassaden. Komplett ist diese schatzartige Kirche aus Kalkstein gefügt, sogar ihr Dach besteht aus einer raffinierten Konstruktion von Marmorplatten. Auf den ersten Blick sind die Spuren des Krieges getilgt, geht man aber auf die Rückseite, die dem Meer zugewandt ist, sieht man steinerne Ergänzungen an dem Kirchenschiff, die dort so fremd wirken wir Körperprothesen. Die Farbe des fehlenden Fleisches imitierend, jedoch dabei artifizielle und steif in der Wirkung.

Der ganze Ort ist ein steinernes Gesamtkunstwerk von wunderbarerer Dichte. Wir zeichnen 2 Stunden in Šibenik bevor wir Richtung Trogir aufbrechen.

Die Zusammensetzung unserer Fahrzeuge wird neu gemischt und die Navigation programmiert. Durch Zufall stellt das Smartphone türkische Popmusik ein. Unter den schmachtenden Klängen türkischer Popbarden fliegen wir über die Passstraße nach Trogir. Im Nachbarauto entscheidet man sich für indische Begleitmusik.

In Trogir schauen wir uns romanische Baukunst an, die eindeutig vor der Zeit der türkischen Besatzung entstanden ist. Herrlich lebensfrohe Baukunst erfreut ebenso, wie das überraschend gute Wetter.

Auf dem Weg nach Split stecken wir in zähem Berufsverkehr fest, selbst unsere triefende Turkmüsik vermag uns nicht geschmeidigt durch diesen Unbill zu geleiten, hilft aber die Situation zu entspannen.

Ein offensichtlich sehr jung gebliebenes Designerteam hat unser Hostel in Split in eine Mischung aus psychedelischem Warenhaus und neonfarbenen Schnitzeljagd verwandelt. Man bekommt ein Kärtchen aus Pappe, auf dem geheimnisvolle Kürzel stehen. Mit diesen bewaffnet stolpert der hungrige und übermüdete Gast durch lackierte schiefe Flure, um auf dem Boden Kreuzworträtsel zu lösen. Kurz bevor ich mich entschloss in der Rezeption verärgert um Hilfe zu bitten fand ich meine Pforte. Mit einem Geheimcode durfte ich meine Kajüte öffnen und sank ermattet auf die Sperrholzinstallation des Raumes,  eine Art Schlafkatafalk.

Am folgenden Morgen begrüsste uns im Frühstücksraum, der das Ambiente eines Nachtclubs atmete eine adrette Kremšnita nach zagrepiner Art.

 

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